Expertenworkshop „Was sind Kennzeichen guter Ausbildung?“

 

Ende November 2011 trafen sich in Nürnberg Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Personal- und Ausbildungsleitungen, Ausbilder, Auszubildende, Betriebsräte, Mitglieder aus Jugend- und Auszubildendenvertretungen und hauptamtliche Gewerkschaftssekretäre, um gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Berufsschule der Frage nach zu gehen, was zeichnet eine gute Ausbildung aus.

Ziele des Workshops waren, neuere Ansätze und Initiativen der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung in der betrieblichen Berufsausbildung, in der Berufsschule und in der gesellschaftspolitischen Bildungsarbeit kennen zu lernen, mit dem aktuellen Stand der Qualitätsdiskussion in den Betrieben zu vergleichen und Impulse für die Modellversuchsarbeit zu bekommen.

Die personelle Zusammensetzung des Workshops sowohl auf Seiten der Teilnehmer als auch auf Seiten der Impulsgeber gewährleistete, dass möglichst viele unterschiedliche Perspektiven auf Lernen und Lehren in Ausbildung, Weiterbildung und Schule in die Diskussion und die Präzisierung der Qualitätskriterien mit einflossen. Das Programm finden Sie hier.

Prof. Dr. Hilbert Meyer von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg stellte seine zehn Kriterien für gute Schule und seinen Orientierungsrahmen für guten Unterricht vor. Dabei betonte er die Bedeutung einer demokratischen Unterrichtskultur und den großen Einfluss der Lehrerinnen und Lehrer auf gelingendes Lernen. Gute Lehrkräfte seien in der Lage, Defizite auf vielen anderen Gebieten auszugleichen.

Einen Einblick in einen großen Konzern und dessen Konzepte und Instrumente der Qualitätssicherung im Bereich Berufsausbildung gab Thomas Scheuerer, Ausbildungsleiter der Siemens AG am Standort in Nürnberg. Die Präsentation des Referenten ist hier einsehbar.

Anregungen kamen auch aus dem Weiterbildungssektor. Horst Mathes, ehemaliger langjähriger Leiter einer IGM-Bildungsstätte, berichtete über die Einführung von LQW (Lernerorientierter Qualitätstestierung in der Weiterbildung) im Bildungszentrum Sprockhövel und seine Erfahrungen mit diesem Qualitätsmanagementsystem. Das Handout zum Vortrag ist hier hinterlegt.

OStD Arnulf Zöller, Stellvertretender Direktor und Leiter der Grundsatzabteilung des bayerischen Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München gab in seinem Beitrag einen umfassenden Einblick in das Qualitätsmanagementsystem für berufliche Schulen in Bayern. Dieses basiert auf dem Schweizer Q2E-Modell (Qualität durch Evaluation und Entwicklung), das die Entwicklung der Institution mit der individuellen Weiterentwicklung der einzelnen Lehrkraft verbindet. Die Präsentation ist hier einsehbar.

 

Der Workshop bestätigte den vom Modellversuch Q:LAB vertretenen Ansatz, dass die Qualitätsdiskussion in der betrieblichen Berufsbildung nur dann gelingt, wenn

  • ein breiter Diskurs zwischen allen betrieblichen Akteuren stattfindet,
  • die Sinn- und Bedeutungszusammenhänge Arbeit, Bildung und Innovation transparent sind,
  • gemeinsam getragene Einschätzungen, Erweiterungen und Verknüpfungen herausgearbeitet und reflektiert werden

und

  • gemeinsam permanent an der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung gearbeitet wird.

 

In den Arbeitsgruppen und im Plenum wurde von den Workshopteilnehmern besonders auf die Bedeutung einer Feedbackkultur in und für die Ausbildung eingegangen. Die bisherige Praxis des Beurteilens, des Bewertens und des Messens wurde problematisiert. Feedback, in welcher Form auch immer, kann keine Einbahnstraße sein. Feedback ist sowohl die Rückmeldungen der Ausbilder an die Auszubildenden als auch umgekehrt das Feedback der Auszubildenden an die Ausbilder.

Auch die Ausbildung braucht ein Feedback aus dem Unternehmen heraus über aktuelle Entwicklungen und strategische Vorhaben, um frühzeitig darauf eingehen zu können. Im Gegenzug ist vielfach nicht ausreichend bekannt, was die Berufsausbildung jetzt schon zu leisten vermag (außer gute Noten bei der Abschlussprüfung) und welchen Beitrag sie zur Personal-, Organisations- und Unternehmensentwicklung leisten kann. Insofern braucht das Unternehmen das Feedback der Ausbildung. Voraussetzung ist ein gemeinsames Ausbildungsqualitätsverständnis.

Die Ergebnisse des Workshops fließen in die weitere Arbeit des Modellversuchs Q:LAB bei der Entwicklung und Erprobung eines ganzheitlichen lern(er)orientierten Qualitätsmanagementsystems für die Berufsausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen ein.